Die Tara-Taste richtig nutzen
Auf dem Display steht 0,00 g, obwohl bereits ein Schälchen auf der Wiegefläche liegt. Genau das soll nach dem Tarieren passieren: Die Waage nimmt das Gewicht des Behälters als neuen Bezugspunkt und zeigt anschließend nur noch den Inhalt an.
Gerade bei losen Kräutern, kleinen Buds oder klebrigen Konzentraten ist das praktischer, als das Behältergewicht hinterher abzuziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Tara-Taste im richtigen Moment gedrückt wird.
Tara und Nettogewicht
Ohne Tara zeigt die Waage das Gesamtgewicht aus Behälter und Inhalt. Das ist das Bruttogewicht. Nach dem Tarieren bleibt auf dem Display nur das Nettogewicht des eingefüllten Materials übrig.
Bei vielen Feinwaagen teilen sich Nullstellung und Tara dieselbe Taste. Sie ist je nach Modell mit TARE, T, ZERO oder TARE/ZERO beschriftet. Der Unterschied steckt vor allem in der Ausgangslage:
- Auf einer leeren Wiegefläche bringt die Taste eine kleine Restanzeige zurück auf null.
- Mit einem Behälter auf der Fläche zieht sie dessen Gewicht von der Anzeige ab.
Die Waage vergisst das Gewicht des Schälchens dabei nicht. Sie verschiebt lediglich den Bezugspunkt der Anzeige.
| Zustand | Anzeige laut Text |
|---|---|
| Ohne Tara | Ohne Tara zeigt die Waage das Gesamtgewicht aus Behälter und Inhalt. Das ist das Bruttogewicht. |
| Nach dem Tarieren | Nach dem Tarieren bleibt auf dem Display nur das Nettogewicht des eingefüllten Materials übrig. |
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Sauber tarieren
Für einen verlässlichen Nettowert reicht ein kurzer, immer gleicher Ablauf:
1. Waage leer einschalten. Stelle sie auf eine feste, gerade und vibrationsarme Fläche. Während des Startvorgangs darf nichts auf der Wiegeplattform liegen.
2. Nullanzeige abwarten. Erst wenn das Display ruhig bei 0,0 oder 0,00 g steht, geht es weiter. Kontrolliere nebenbei die eingestellte Einheit – Gramm und Grain sehen im Halbdunkel schneller ähnlich aus, als einem lieb ist.
3. Leeren Behälter auflegen. Schälchen, Wiegeschiffchen, Deckel oder Papier kommen möglichst mittig auf die Plattform. Der Behälter muss vollständig aufliegen und darf weder das Gehäuse noch die Tischplatte berühren.
4. Stabilen Wert abwarten. Lass die Waage das Behältergewicht erfassen. Nicht gleichzeitig den Tisch anstoßen, am Schälchen zupfen oder mit dem Handy direkt daneben hantieren.
5. Tara-Taste einmal kurz drücken. Die Anzeige springt auf null. Manche Modelle blenden zusätzlich ein Tara-Symbol ein.
6. Material einfüllen und erneut warten. Kräuter oder Konzentrat in den Behälter geben, Hände wegnehmen und den stabilen Wert ablesen. Angezeigt wird jetzt das Nettogewicht.
Nimmst du den leeren Behälter anschließend herunter, erscheint häufig dessen Gewicht mit einem Minuszeichen. Das ist kein Defekt. Der zuvor abgezogene Behälter fehlt nun auf der Plattform. Auf leerer Fläche setzt ein erneuter Druck auf Tara beziehungsweise Zero die Anzeige wieder zurück.
Der richtige Zeitpunkt
Der häufigste Bedienfehler ist nicht die falsche Taste, sondern der falsche Moment. Wer erst tariert und danach das leere Schälchen auflegt, wiegt dessen Gewicht ganz normal mit. Wer dagegen den Behälter bereits teilweise gefüllt hat und dann Tara drückt, setzt Behälter und bisherigen Inhalt gemeinsam auf null. Die nächste Anzeige umfasst nur noch das, was danach hinzukommt.
Das kann absichtlich nützlich sein, etwa wenn mehrere Portionen nacheinander in dasselbe Gefäß sollen. Für das gesamte Nettogewicht ist es jedoch die falsche Methode. Nach jedem erneuten Tarieren beginnt die Anzeige rechnerisch wieder von vorn.
Auch ein noch schwankender Behälterwert ist kein guter Ausgangspunkt. Drückst du Tara, während das Display zwischen zwei Zahlen wandert, übernimmst du einen unruhigen Wert als Referenz. Kurz warten ist schneller, als anschließend dreimal neu zu wiegen.
Mehrere Portionen abwiegen
Die Tara-Funktion lässt sich auch zwischen einzelnen Zugaben verwenden. Du legst den Behälter auf, tarierst ihn und füllst die erste Portion ein. Nach dem Ablesen drückst du erneut Tara und gibst die nächste Portion dazu. Auf dem Display steht dann nur das Gewicht dieser zweiten Zugabe.
Das ist praktisch beim Aufteilen einer Kräutermischung oder beim Befüllen mehrerer kleiner Portionen aus einem größeren Vorrat. Der Haken: Die Waage führt dabei keine laufende Gesamtsumme für dich. Sobald du erneut tarierst, ist der vorherige Anzeigewert nicht mehr sichtbar. Wenn die Gesamtmenge später noch wichtig ist, notierst du die einzelnen Werte oder wiegst den gesamten Inhalt am Ende noch einmal in einem frisch tarierten Behälter.
Behälter und Tragkraft
Tarieren schafft keine zusätzliche Tragkraft. Ein Schälchen wird zwar aus der Anzeige herausgerechnet, belastet die Wiegezelle aber weiterhin.
Bei einer Feinwaage mit 100 g maximaler Tragkraft und einem 62 g schweren Glas bleiben deshalb nur rund 38 g für den Inhalt. Die Anzeige kann trotzdem bei 0,00 g starten, obwohl ein großer Teil der Kapazität bereits belegt ist. Wird danach weiter aufgefüllt, kann die Waage in den Überlastbereich kommen.
Für kleine Mengen sind leichte Behälter daher meist die bessere Wahl. Ein flaches Wiegeschälchen, ein sauberer Schutzdeckel oder ein Stück knickfreies Wiegepapier verbraucht wenig Kapazität und verdeckt das Display nicht. Bei Konzentraten sollte die Unterlage außerdem trocken, standfest und passend zum Material sein. Ein öliger Film unter dem Schälchen sorgt eher für Rutschpartien als für brauchbare Messwerte.
Unruhige Werte nach dem Tarieren
Tara beseitigt nur das Behältergewicht. Zugluft, ein federnder Tisch, Lautsprecherbässe, Temperaturschwankungen und Berührungen der Plattform bleiben davon unbeeindruckt. Auch ein überstehendes Papier, das seitlich am Gehäuse anliegt, kann den Wert verändern.
Wenn die Anzeige nach dem Tarieren wandert, nimm alles herunter und beginne noch einmal auf einer festen Unterlage. Lass die Waage und das Wiegegut kurz an die Raumtemperatur kommen, halte Ventilator und offenen Fensterzug fern und lege den Behälter mittig auf. Weitere typische Ursachen findest du im Ratgeber „Warum zeigt deine Waage plötzlich schwankende Werte?“.
Tara bei der Waagenauswahl
Eine Tara-Funktion gehört bei digitalen Feinwaagen zum grundlegenden Handwerkszeug. Wichtiger als ein besonders ausgefallenes Tastenfeld ist, dass Taste und Display auch mit aufgelegtem Schälchen gut erreichbar und ablesbar bleiben. Ebenso sollten Tragkraft und Auflösung zu den Mengen passen, die bei dir tatsächlich auf der Plattform landen.
Die große Übersicht „Die richtige Feinwaage für Kräuter und Konzentrate finden“ ordnet diese Unterschiede ein. Wer genauer verstehen möchte, warum selbst eine kleine Berührung auf dem Display sichtbar wird, findet die technische Seite im Artikel „Wie eine Feinwaage im Inneren misst“. In der BongoBong-Kategorie „Waagen“ stehen passende Taschen- und Feinwaagen für unterschiedliche Setups und Mengenbereiche.
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