Woher die Begriffe Bong, Chillum und Bang stammen
Im deutschen Headshop steht fast immer „Bong“, in Frankreich häufig „Bang“, und „Chillum“ kann entweder eine komplette konische Handpfeife oder nur das Tauchrohr einer Wasserpfeife meinen. Dahinter steckt keine schlampige Benennung, sondern gewachsene Szenesprache. Die Wörter sind mit Reisenden, Handelswegen, Subkulturen und schließlich Produktkatalogen über mehrere Kontinente gezogen.
Bong und das thailändische Bambusrohr
Bong geht auf das thailändische Wort บ้อง zurück, meist als *bong* oder *baung* wiedergegeben. Gemeint war ursprünglich ein zylindrisches Rohr, Gefäß oder Teilstück aus Bambus. Weil ein Bambushalm den hohlen Rauchkanal praktisch schon mitbringt, wurde derselbe Begriff auch für daraus gefertigte Pfeifen und Wasserpfeifen verwendet.
Im Englischen tauchte Bong als Bezeichnung für eine Cannabis-Wasserpfeife in den 1960er-Jahren im Szenewortschatz auf. Häufig wird die Verbreitung mit westlichen Reisenden und Soldaten in Südostasien verbunden. Sicher ist vor allem die Richtung: Das Wort kam aus dem thailändischen Sprachraum ins amerikanische Englisch und von dort in die internationale Cannabiskultur.
Mit dem heutigen Glaskolben samt Normschliff, Diffusor und Eiskerben hatte das ursprüngliche Bambusrohr natürlich wenig gemeinsam. Der Name blieb trotzdem erstaunlich passgenau. Ein gerader Tubus, ein Kopf, ein Rohr ins Wasser – der technische Stammbaum ist noch zu erkennen, auch wenn inzwischen Borosilikatglas statt Machete und Bambushain angesagt ist.
Das englische *bong* für einen Glockenschlag ist übrigens nur ein gleich klingendes Wort. Die Pfeife heißt weder nach ihrem Blubbern so noch nach dem Geräusch, das sie beim Umfallen macht.
Chillum aus Persien und Indien
Chillum kam über Hindi und Urdu in den westlichen Wortschatz. Die Formen *cilam* und *chilam* gehen wiederum auf ein persisches Wort zurück. In Indien und Nepal bezeichnet Chillum traditionell eine gerade, konische Pfeife, meist aus Ton, Stein oder Holz. Sie besitzt keinen seitlichen Holm wie eine klassische Tabakpfeife. Der Rauch läuft vom breiten Kopfende direkt durch den schmaler werdenden Kanal.
Solche Chillums werden traditionell mit einem eingelegten Chillumstein verwendet, der Material und Glut zurückhält. Beim Rauchen wird das schmale Ende nicht unbedingt einfach zwischen die Lippen genommen, sondern häufig in den gefalteten Händen gehalten. Besonders bekannt ist das Chillum aus dem Umfeld indischer Sadhus und gemeinschaftlicher Rauchrunden. Das macht den Begriff kulturell deutlich älter als seine spätere Karriere im Headshop.
Mit dem englischen *chill* und dem deutschen „chillen“ hat Chillum nichts zu tun. Die Ähnlichkeit ist verführerisch, etymologisch aber kalter Rauch. Auch „chill out“ wurde nicht aus Chillum gebildet.
Im europäischen Headshop bekam das Wort eine zweite, technisch engere Bedeutung. Hier bezeichnet Chillum meist das Rohr, das vom Kopf in das Wasserreservoir der Bong führt. Je nach Bauform sind Kopf und Fallrohr fest verbunden oder als getrennte Teile ausgeführt. Bei einem separaten Kopf wird das Unterteil oft Kupplung oder Downstem genannt, wobei die Herstellerbegriffe nicht völlig einheitlich sind. Auch die Schreibweise Shillum ist verbreitet und meint kein anderes Bauteil.
Darum können zwei sehr verschiedene Produkte Chillum heißen: eine eigenständige konische Handpfeife und ein Ersatzteil für die Bong. Der gemeinsame Nenner ist das gerade Rauchrohr, nicht das Wasser.
Bang, Bhang und Bangi
Bang ist sprachlich der kniffligste der drei Begriffe. Im heutigen französischen Szenewortschatz bezeichnet *bang* dieselbe Art Wasserpfeife, die im Deutschen Bong heißt. Technisch gibt es zwischen Bang und Bong keine feste Grenze. Eine Bang ist weder größer noch härter im Durchzug, und sie benötigt auch keinen besonderen Aufbau.
Historisch liegen hier zwei ähnlich klingende Wortfamilien übereinander. Neben dem thailändischen *bong* existiert das südasiatische *bhang*. Das Hindi-Wort geht auf Sanskrit zurück und bezeichnet Hanf beziehungsweise eine traditionelle Cannabiszubereitung, häufig in Form einer Paste oder eines Getränks. Bereits im 16. Jahrhundert gelangten Schreibweisen wie *bangue* durch portugiesische Berichte aus Indien nach Westeuropa.
Verwandte Formen wanderten auch nach Persien, in den arabischen Sprachraum und entlang der Handelswege des Indischen Ozeans nach Afrika. Dazu gehören persisch *bang*, arabisch *banj* und ostafrikanische Formen wie Swahili *bangi*. Dort bezeichneten sie zunächst Cannabis oder daraus hergestellte Zubereitungen, nicht automatisch das Rauchgerät.
Wann genau aus diesem Pflanzen- und Zubereitungsnamen im Französischen die Bezeichnung für eine Wasserpfeife wurde, lässt sich weniger sauber verfolgen als die thailändische Herkunft von Bong. Wahrscheinlich haben sich *bhang*, *bang* und *bong* durch ihren ähnlichen Klang und ihre gemeinsame Verwendung im Cannabiskontext gegenseitig beeinflusst. Heute sind Bang und Bong im Französischen schlicht gebräuchliche Varianten für dasselbe Gerät.
Bang ist daher nicht bloß ein Tippfehler. Im deutschsprachigen Headshop wirkt das Wort nur ungewohnt, weil hier eine andere Sprachroute gewonnen hat.
| Begriff | Sprachliche Herkunft laut Text |
|---|---|
| Bong | Bong geht auf das thailändische Wort บ้อง zurück, meist als *bong* oder *baung* wiedergegeben. |
| Chillum | Chillum kam über Hindi und Urdu in den westlichen Wortschatz. Die Formen *cilam* und *chilam* gehen wiederum auf ein persisches Wort zurück. |
| Bang | Wahrscheinlich haben sich *bhang*, *bang* und *bong* durch ihren ähnlichen Klang und ihre gemeinsame Verwendung im Cannabiskontext gegenseitig beeinflusst. |
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Afrikanische Pfeifentraditionen
Der thailändische Ursprung des Wortes Bong bedeutet nicht, dass auch die gesamte Wasserpfeifentechnik an einem einzigen Ort erfunden wurde. Wortgeschichte und Gegenstandsgeschichte laufen selten ordentlich nebeneinander her.
Afrika spielt bei der Entwicklung des Cannabisrauchens und früher Wasserpfeifen eine zentrale Rolle. Cannabis gelangte vermutlich vor ungefähr tausend Jahren aus Südasien nach Ostafrika und verbreitete sich von dort weiter über den Kontinent. Archäologische Funde aus Äthiopien umfassen Wasserpfeifenköpfe aus dem 14. Jahrhundert, an denen Cannabisrückstände nachgewiesen wurden. Aus verschiedenen Regionen sind zudem Erd-, Keramik-, Horn- und Kalebassenpfeifen bekannt.
Afrikanische Pfeifenkulturen entwickelten also eigene Bauweisen und Nutzungsformen, während asiatische, persische und arabische Begriffe über Handelsnetze mitwanderten. Später gelangten Pflanzen, Rauchpraktiken und Wörter über Seeleute, Händler und gewaltsam verschleppte Menschen weiter über den Atlantik. Die vertraute Erzählung vom asiatischen Bambusrohr beschreibt einen wichtigen Strang, aber nicht die komplette Geschichte.
Ausführlicher verfolgt der Artikel „Wie sich die Wasserpfeife zur heutigen Bong entwickelte“ diese technische Entwicklung.
Begriffe im europäischen Headshop
Mit der Gegenkultur der 1960er- und 1970er-Jahre entstanden die ersten modernen Headshops. Ihr Sortiment war international, und ihre Sprache war es ebenfalls. Reisende brachten Chillums aus Indien mit, amerikanische Underground-Medien verbreiteten Bong, französischsprachige Szenen verwendeten Bang. Dazu kamen englische Begriffe wie Bowl, Downstem und später Percolator.
Im deutschen Sprachraum setzte sich Bong durch, weil die moderne Produktwelt stark vom amerikanischen Englisch geprägt war. „Wasserpfeife“ blieb als Oberbegriff zu ungenau: Das kann ebenso eine Shisha mit Schlauch, eine traditionelle Hookah oder eine kompakte Pfeife mit Wasserkammer meinen. Bong bezeichnet dagegen ziemlich zuverlässig die direkt gerauchte Wasserpfeife ohne Schlauch.
Hersteller, Großhändler und Headshops festigten diese Verwendung. Aus dem Szenewort wurde eine normale Produktbezeichnung mit Zusammensetzungen wie Glasbong, Acrylbong, Eis-Bong, Bongkopf und Bongzubehör. Bang blieb vor allem im französischsprachigen Raum lebendig und hatte im deutschen Katalog schlicht keinen Anlass, Bong noch zu verdrängen.
Heutige Produktnamen im Shop
BongoBong ist seit 1998 als deutscher Online-Headshop am Start und folgt der im deutschsprachigen Handel etablierten Benennung. Komplette Wasserpfeifen stehen im Bongshop unter Bezeichnungen wie Glasbongs oder sonstige Bongs. Die passenden Fallrohre finden sich bei „Chillums & Kupplungen“ beziehungsweise als Alu-Chillums für entsprechende Modelle.
Wer in einer Produktbeschreibung „Chillum“ liest, sollte deshalb auf den Zusammenhang achten. Bei Pfeifen kann die traditionelle konische Handpfeife gemeint sein; im Bongzubehör geht es meistens um Fallrohr, Kupplung oder eine Kombination aus Rohr und Kopf. Für ein Ersatzteil zählen dann Normschliff, Länge und Bauform – nicht die jahrhundertealte Reiseroute seines Namens.
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